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Zu kleiner Fußabdruck im Netz
erschienen in: Der Standard

Virtuell oder real als Thema der Auslandskulturtagung Wien 


"Ist die Welt eine Bühne, die wir bespielen? Vielleicht ein bisschen." So beschrieb Martin Eichtinger die Arbeit der Auslandskulturarbeiter: Grenzgang zwischen Wirklichkeit und Fiktion. Auf der Bühne der Wiener Kammerspiele stand Eichtinger denn auch, als er als Leiter der zuständigen Sektion im Außenministerium am Dienstag die jährliche Tagung der Auslandskultur eröffnete.


"Virtuell oder real?" war das Thema. Geht der Online-Austausch zulasten traditioneller Formen? Wie sehr ist die physische Präsenz von Kunst, Literatur, Wissenschaft noch nötig, wenn so vieles im Netz aufrufbar ist? Es müsse noch viel mehr abzurufen sein, sagte Viktor Mayer-Schönberger, Professor für Internet Governance (Oxford), in seinem pointierten Vortrag über digitale Diplomatie. "Der digitale Fußabdruck Österreichs ist zu klein." Partituren, Manuskripte, Konzertaufzeichnungen blieben ungenutzt, sie müssten dorthin gestellt werden, wo die Menschen auf der ganzen Welt sie finden können. Im Vergleich etwa mit der BBC gebe der ORF zu wenig fürs Netz frei. Reduktion des Physischen klingt nach Einsparung. Tatsächlich sind die Planer schon froh, wenn das "überschaubare" Budget nicht weiter gekürzt wird. Das sicherte Außenminister Michael Spindelegger (VP) den Zuhörern aus den kulturellen Institutionen weltweit zu. Zugleich legte er ein Bekenntnis ab zum Erhalt der Kulturforen und ihrer Arbeit von Filmfestivals bis zu Auftragskompositionen, wie sie etwa im New Yorker Forum gepflogen werden.


Literatur statt Fußball


Die Foren dienen als wirkliche wie virtuelle Orte der Begegnung, darin waren sich Teilnehmer einer kurzen Vorstellungsreihe fast einig. Real sind und bleiben die 61 Bibliotheken, die in den letzten Jahrzehnten vor allem in Osteuropa als Bindeglied zu Österreich eingerichtet wurden. Die Leiterin des neuen Literaturförderprogramms, Evelyne Polt-Heinzl, verwies darauf, dass die oft an Universitäten angesiedelten Austriaca-Büchereien zugleich Informationszentren seien, deren Multiplikationseffekt im Bereich der Wissenschaft nicht unterschätzt werden sollte. Aus Prag und Posen kamen entsprechende Resümees. Defizite könne auch eine so nahe Bibliothek wie die in Udine ausgleichen, meinte deren Leiter Luigi Reitani, der beklagte, dass Italien sein Nachbarland zu wenig wahrnehme: "Wenn man wie Österreich keine gute Fußballmannschaft hat, dann braucht man eben Literatur."


(Michael Freund, DER STANDARD, 5.9.2012)





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